Die Welt der Farben

Die Welt der Farben

by in Farben 9. Dezember 2021

Farben und Düfte spielten in der Geschichte der Menschheit überall auf der Welt schon immer eine wichtige Rolle.

Beide waren eng mit dem „Göttlichen“ verbunden und hatten daher  im Rahmen von spirituellen Ritualen schon immer eine große Bedeutung. So ordneten z.B. die Ägypter ihren Gottheiten mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Aufgabengebieten ganz bestimmte Farben und Düfte zu.

Diese göttlichen Kräfte wurden in den Alltag übertragen und spiegeln sich bis heute in bestimmten Traditionen wieder. So wird bei uns bis heute die Farbe Rosa den Mädchen und die Farbe Blau den Jungen zugeordnet, und die Räucherung zur Reinigung und zum Schutz vor Geistern war vor noch nicht allzu langer Zeit auch hierzulande ein üblicher Brauch.

Weil Gesundheit bzw. Krankheit immer im Zusammenhang mit der göttlichen Ordnung gesehen wurde gehören sowohl die Farb- als auch die Aromatherapie zu den ältesten Therapieformen der Menschheit.

Rot       Orange       Gelb       Grün       Blau       Indigo       Violett

Farben in der jüngeren Geschichte der westlichen Welt

Licht und Farben gehören untrennbar zusammen, das wussten schon die alten Völker.
Sehr anschaulich machte das Isaac Newton im Jahre 1676. Er entdeckte, dass weißes Tageslicht, das durch ein Prisma fällt, zerlegt wird in die sieben Spektralfarben, die sieben Farben des Regenbogens. Der Grund dafür sind die verschiedenen Wellenlängen der verschiedenen Farben, die im Prisma in unterschiedlichen Winkeln gebrochen werden.
Die langwelligste sichtbare Farbe ist Rot (630-700 nm), die kurzwelligste sichtbare Farbe violett (400-450 nm).

Im Jahr 1810 erschien Goethes Farbenlehre. Goethe lehnte eine rein physikalische Betrachtung der Farben ab. Er beschäftigte sich jahrzehntelang mit der Natur und der Ordnung der Farben, der Harmonie, dem Körper, dem Geist und der Seele der Farben, der Komplementarität, der Sinnlichkeit. Und letztlich auch mit deren Wirkung auf die menschliche Psyche und damit wiederum auf den menschlichen Körper.

Nach Goethe ist die Natur der Ausdruck einer großen geistigen Ordnung. In Form der Farben wird in seinen Augen die Verbindung von Geist und Körper, von Raum und Zeit sichtbar.
Gleichzeitig sind die Farben für Goethe Ausdrucks des Lebens an sich.

„Licht, wie es mit der Finsternis die Farbe wirkt, ist ein schönes Symbol der Seele, welche mit der Materie den Körper bildend belebt. So wie der Purpurglanz der Abendwolke schwindet und das Grau des Stoffes zurückbleibt, so ist das Sterben des Menschen. Es ist ein Entweichen, ein Erblassen des Seelenlichts, das aus dem Stoffe weicht.“
(Johann Wolfgang von Goethe, 1808).

Interessant ist im Zusammenhang von Farben als Ausdruck des Lebendigen die Tatsache, dass die leuchtenden Farben im Laufe des Verdauungsprozesses und auch bei der Zersetzung nach dem Tod zu verschwinden scheinen. Werden die leuchten „Lebensstoff-Farben“ aufgenommen, und die „unverdaulichen“ Farb-Anteile vermischt und ausgeschieden?
Beim sachgemäßen Trocknen von Heilkräutern wird davon ausgegangen dass die Heilwirkung erhalten bleibt, wenn die trockenen Pflanzenteile ihre Farben während der Trocknung bestmöglich beibehalten haben. Und es wird davon ausgegangen dass die Heilwirkung deutlich nachlässt, wenn die Farbe der Droge mit der Zeit verblasst.

Das Wesen der Lichts und damit auch der Farben ist schwer fassbar, und beschäftigt naturwissenschaftliche Forscher und auch Künstler schon sehr lange. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Albert Einstein für den Nachweis des „Photoeffekts“ der Nobelpreis verliehen, mit dem er den Beweis lieferte, dass sich Licht gleichzeitig Welle UND Teilchen sein kann. Er zeigte, dass ein Photon (Lichtquant) mit kleiner Wellenlänge(violett) in der Lage ist, ein Elektron aus einer Metallplatte herauszuschlagen. Das Photon kann also direkte “physische“ Reaktionen im Atom auslösen. Damit sollte klar sein, dass Licht/Farbe entsprechende Reaktionen auch in einer Zelle bzw. einem Organismus hervorrufen kann.

Farbe wirkt also über zwei Wege auf den menschlichen Körper: zum Einen über die Farbrezeptoren der Augen und die Sehnerven und damit letztlich über das Gehirn, und zum anderen auf direktem Wege beim Auftreffen der Farb-/Lichtstrahlung auf die Körperzellen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass wir auch auf unserer Haut Rezeptoren haben, die die Farbschwingungen der Randbereiche der Spektralfarben wahrnehmen können: Schwingungen im ultraviolett-Frequenzbereich erzeugen ein leichtes Kältegefühl auf der Haut, und die langwelligen Infrarotstrahlen dringen deutlich spürbar warm in unser Gewebe ein. Wichtig ist es hierbei zu beachten, dass die physische Wirkung auf die Zellen nicht abhängig ist von der Intensität/Helligkeit des Lichtes ist, sondern ausschließlich von der Frequenz und dem zu bestrahlenden Material. Übertragen auf die Farbtherapie bedeutet das, dass bereits eine kleine „Menge“ der für das entsprechende Körperteil oder Organ passenden Farbe eine deutliche physische Wirkung haben kann.

Neben einigen anderen bemerkenswerten Forschern wie Edwin D. Babbit (USA) oder Nils Ryberg Finsen (Dänemark) beschäftigte sich Anfang des 20. Jahrhunderts der nach Amerika ausgewanderte  indische Arzt Dinsha Ghadiali mit der Heilwirkung von Farben. Er entwickelte das erste umfassende Farblicht-Therapiesystem der westlichen Welt. Die Grundlage dieses Systems bilden die Forschungsergebnisse der deutschen Gelehrten Kirchhoff, Bunsen und Fraunhofer. Sie legten den Grundstein für die bis heute z.B. auch in der Weltraumforschung angewendete Spektralanalyse, indem sie beobachteten, dass die einzelnen Elemente der Erde bei der Bestrahlung mit Licht jeweils ganz spezifische Frequenzbereiche absorbieren bzw. reflektieren. Die Elemente konnten so bestimmten Farben bzw. Farbmustern zugeordnet werden.

Für Dinsha Ghadali war Krankheit ein Ausdruck der „Unordnung“ im menschlichen Organismus. Durch Bestrahlung mit Licht der der Störungsursache genau entgegengesetzten Farbe versuchte er die natürliche Ordnung und damit die Gesundheit wieder herzustellen und hatte damit erstaunliche Behandlungserfolge.

Farben in der TCM

Die TCM, die traditionelle chinesische Medizin, beruht auf einigen wichtigen philosophischen und weltanschaulichen Grundlagen. Die Basis ist die Vorstellung des Strebens nach Ausgeglichenheit der sich entgegengesetzten Kräfte Yin und Yang. Wir alle kennen das kreisförmige Symbol der Gegenüberstellung von Hell und Dunkel, Licht und Finsternis, des Aktiven, Bewegenden und des Passiven, der Kraft der Ruhe und Stille. Zwischen Licht/Weiß und Finsternis/Schwarz liegt die ganze Bandbreite der farbigen Welt.

Die zweite Grundlage bildet die Lehre der Fünf Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Jedem dieser Elemente werden ganz bestimmte Eigenschaften und energetische Qualitäten, Tages- und Jahreszeiten, Emotionen, Organe und Bereiche des Körpers und auch jeweils eine Hauptfarbe zugeordnet.

In den 1960er Jahren entwickelte die Krankengymnastin Christel Heidemann eine Meridiantherapie, in der sie die reguläre westliche Heilkunde mit der TCM und der Anthroposophie verband. Sie entwickelte einen Farbkreis aus zwölf Farben, denen sie jeweils die zwölf Hauptmeridiane der TCM zuordnete. Sie stellte fest, dass sie die größten Heilerfolge erzielen konnte, wenn sie mit Pflanzenfarben gefärbte Seidenstoff-Stücke auf die entsprechenden Körperteile auflegte.
Wie Goethe ging sie davon aus, dass durch die „kosmische“ Wirkung der Pflanzenfarben die Ordnung lebendiger Prozesse beeinflusst bzw. wiederhergestellt werden kann.

Farben und Chakren

Im indischen Kulturkreis gehört das Bild der Chakren seit ewigen Zeiten zu den Grundlagen der philosophischen und spirituellen Weltanschauung. Damit sind sie schon immer eng verbunden mit der traditionellen Heilkunst, die wir als Ayurveda kennen und deren Teil auch das Yoga ist.

Die Chakren sind Energiezentren in bestimmten Körperregionen, denen jeweils ganz bestimmte Qualitäten, Eigenschaften und Fähigkeiten zugesprochen werden.
Jedes Chakra gehört zu bestimmten Lebensbereichen, auf körperlicher und auf geistiger und spiritueller Ebene. Und jedes Chakra hat seine ganz bestimmte Farbe. Die Chakren bauen aufeinander auf, von unten nach oben, von der kraftvollen und körperlichen Basis bis hin zum energetisch sehr hochschwingenden spirituellen Bereich über dem Scheitel, in den Farben des Regenbogens.

Ich selbst habe die Anwendung von Farblicht nach dem Farbkreis von Christel Heidemann und auch die Behandlung von Chakren im Rahmen einer Ausbildung für Akupunktmassage am Pferd kennengelernt. Bis heute bin ich immer wieder fasziniert und schwer beeindruckt, wie direkt und deutlich gerade die Pferde, die ja sehr sensible, aber in dieser Hinsicht auf jeden Fall ehrlichen und unbestechlich sind, auf kleinste, richtig gesetzte Farblichtimpulse reagieren.

Die Farben der Pflanzen

Farben haben Wirkung. Sie wirken auf Ebenen die für Forschung und Wissenschaft bis heute kaum greifbar ist, und trotzdem ist diese Wirkung für jeden von uns spürbar. Sie sind ein Teil der Ordnung des Wunderwerks Natur, des Lebens an sich. Und die Pflanzen sind die Kraftwerke des Lebens. Sie erschaffen aus Wasser und Licht unendliche Mengen an Materie und Energie. Es wäre nur logisch, dass die Wirkung und Bedeutung ihrer leuchtenden Farben eine sehr viel größere Rolle spielen als wir in unserer heutigen Welt annehmen.

Im Fall der Pflanzenfarben, also der Pflanzenfarbstoffe, haben Farben jedoch auch ganz konkrete, nachweisbare und messbare Wirkungen. Pflanzenfarbstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in ihrer Wirkung unglaublich vielseitig sind. Neben dem Chlorophyll, dem Blattgrün, sind die Flavonoide die wohl wichtigste Gruppe der Pflanzenfarbstoffe.

Flavonoide kommen wie auch das Chlorophyll fast ausschließlich in Pflanzenteilen vor, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Bei der Entstehung dieser Pflanzenfarben steht also die enge Verbindung von Licht und Farbe also ganz deutlich im Vordergrund.
„Flavus“ bedeutet zwar „gelb“, aber längst nicht alle der unzähligen verschiedenen Untergruppen der Flavonoide sind gelb. So gehören z.B. auch die rot/blauen Anthocyane zu den Flavonoiden.

Flavonoide haben aufgrund ihrer großen strukturellen Vielfalt sehr unterschiedliche Wirkungen. Den Pflanzen bieten die Flavonoide Schutz vor Fraßschäden, Parasiten- und Pilzbefall und vor UV-Strahlung. Auf den Menschen können sie krampflösend, entzündungshemmend, antioxidativ, antibakteriell, antiviral, stimmungsaufhellend, antiallergisch, harntreibend, schweißtreibend, antihepatotoxisch, kapillarabdichtend oder auch membranstabilisierend wirken. Alle Flavoniode haben jedoch eines gemeinsam. Sie wirken antioxidativ und haben daher für die menschlichen Zellen und den gesamten Organismus eine große Schutzfunktion.

Die Farbe Rot

Rot ist eine Signalfarbe. Rot ist nicht überall präsent, aber wo es ist will es beachtet werden. Rot ist eine Farbe der Warnung und der Abschreckung, aber auch des Verfüh-rerischen, besonders Anziehenden.

Rot ist die Farbe der Glut des Feuers, der Tatkraft, der Freude und der Liebe. Rot steht für das Aktive, für Energie und Vitalität. Rot wird dem Basischakra zugeordnet, das als Zentrum für die ursprüngliche physische Lebenskraft, für Urvertrauen und für die Ver-bindung mit der Erde gesehen wird.

Und Rot ist auch die Farbe des Blutes, und damit übrigens der Farbe des „Blutfarbstoffes“ der Pflanzen, dem Chlorophyll komplementär, also genau entgegengesetzt. Das Zentralatom des Blutfarbstoffes ist Eisen, beim Chlorophyll ist das das Magnesium, an-sonsten sind beide chemisch ähnlich aufgebaut.

Die andere Seite von der Farbe Rot ist die Verbindung mit Wut, Aggression, Kampf, Zerstörung und Gefahr. „Rot“ kann leicht überdosiert werden.

Rot kann überall da sehr gut eingesetzt werden wo ein Kältegefühl vorherrscht, Hei-lungsprozesse stagnieren (chronische Krankheiten), wo die Grundenergie fehlt, wo die Durchblutung oder auch die allgemeine Vitalität angeregt werden soll.
Kontraindiziert ist Rot bei allen entzündlichen Prozessen, überhitzten Systemen und Überreaktionen wie z.B. auch Allergien.

Ein Anwendungsbeispiel aus der Pflanzenwelt ist der Weißdorn, dessen Früchte, aber auch die Blüten und Blätter zur Stärkung des Herzens traditionell schon sehr lange ver-wendet werden. Die enthaltenen Flavonoide helfen, die koronare Durchblutung zu stei-gern.
Ein weiteres bekanntes Beispiel ist der Verzehr von Paprika oder Chilli, um die Durchblutung im Verdauungstrakt anzuregen. Die wärmende und anregende Wirkung auf den ganzen Körper kennt jeder, der gerne einmal etwas schärfer isst. Verantwortlich für die anregende Wirkung ist das Capsaicin, das auch in Form von Wärmepflastern angewendet wird um die Durchblutung der Haut lokal zu verstärken.

Die Farbe Orange

Orange macht gute Laune, Orange macht Appetit, Orange steht für Kreativität und Schaffenskraft. Orange ist Farbe der Leidenschaft, des Brennens, der Motivation.

In der Chakrenlehre gehört Orange zum Sakralchakra, dem Zentrum der ungefilterten Emotionen, der göttlichen Schaffenskraft und der Sexualität.

Wie Rot ist auch Orange eine sehr intensive Farbe und kann schnell zu viel werden. Lust und Leidenschaft können dann in Orientierungslosigkeit oder Zügellosigkeit um-schlagen (sich „Verzetteln“, oder z.B. auch zu viel essen). 
 

Orange wirkt stimmungsaufhellend, aufbauend und leistungssteigernd, mild aktivierend und motivierend. Auf direkter körperlicher Ebene wirkt es außerdem appetitanregend und entkrampfend.

Sehr gut eingesetzt werden kann Orange bei Depressionen, Melancholie, Pessimismus, dauerhafter Müdigkeit, Lustlosigkeit und Appetitlosigkeit, aber auch bei Ängsten, Nervo-sität und Stress und den oftmals damit verbundenen verschiedenen Arten von Verdau-ungsstörungen.
 

Für mich ist die Calendula der Inbegriff des schönsten Orange in unseren Gärten. In der traditionellen Anwendung als Heilpflanze stehen bei ihr eindeutig die wundheilungsför-dernden und entzündungshemmenden Eigenschaften im Vordergrund. Allein die leuch-tend orange Farbe und ihre ganze Wesens-Ausstrahlung zaubert jedoch unwillkürlich Lächeln in Gesichter. Ich für meinen Teil muss die stimmungsaufhellende Wirkung der Calendula durch nichts anderes bewiesen haben…
Das zweite Beispiel ist die Orange. Traditionell als Heilmittel bekannt ist hierbei die Po-meranze, die Bitterorange (Citrus Aurantium). Sowohl die Schalen als auch die Blätter enthalten sehr viele Bitterstoffe und werden in der traditionellen Heilkunde seit langem zur Herstellung von appetitanregenden und verdauungsfördernden Zubereitungen ge-nutzt. Der Tee aus den Blüten ist bekannt als Hustentee, wird aber auch zur Beruhigung und Stimmungsaufhellung eingesetzt.

Die Farbe Gelb

 

Gelb ist die Farbe der Sonne. Im Farbenkreis von Christel Heidemann gilt Gelb als die hellste und stärkste der drei Yang-Farben Rot, Orange und Gelb. Interessanterweise wird sie in der TCM jedoch dem Element Erde zugeordnet. In der Chakrenlehre gehört Gelb zum Zentrum des Solarplexus, dem Sonnengeflecht, das ein wichtiger Knotenpunkt von sympathischen und parasympathischen Nervenfasern ist.

Gelb steht für Licht, Helligkeit, Heiterkeit, Freude und Optimismus und Selbstbewusst-sein, aber auch für einen wachen, klaren, „hellen“ Verstand.
Ein „zu viel“ an Gelb kann in Egoismus/Egozentrik, Selbstsucht und Neid umschlagen.
Gelb bewegt. Es wirkt anregend auf das Gehirn, es macht wach, regt den Geist und Lerneifer an und steigert die Konzentrationsfähigkeit.

Auf körperlicher Ebene wirkt es stärkend auf das zentrale Nervensystem (Solarplexus) und damit auch stimmungsaufhellend.  Außerdem hat es einen engen Bezug zu Leber, Galle und Niere, es wirkt entgiftend, sekretionsfördernd und stoffwechsel- und verdauungsanregend.

Mit seinem engen Bezug zur Sommersonnwende und seiner klaren Sonnensignatur ist das Johanniskraut ein klassischer Vertreter der Farbe Gelb in der Phytotherapie. Neben der äußerlichen Anwendung zur Wundheilung und bei rheumatischen Beschwerden (Rotöl) steht vor allem die Wirkung auf das Nervensystem im Vordergrund. Es wirkt antidepressiv und nervenstärkend und wird bei Unruhe, psychovegetativen Verstim-mungen und Depressionen eingesetzt. Wird Johanniskraut verarbeitet, z.B. durch Mazeration in Öl, wird deutlich, dass es neben den leuchtenden Gelb der Blüten auch die Farbe Rot mit enthält. Es enthält unter anderem zwei Wirkstoffe, das Hypericin und das Hyperforin. Interessant ist dass es wohl der rote Pflanzenfarbstoff Hypericin ist, der vor allem für die körperliche, wundheilende und keimhemmende Wirkung verantwortlich ist. Das Hyperforin hingegen, das wohl einer der Hauptwirkstoffe für die nervenstärkende und antidepressive Wirkung ist, ist ein hellgelber Feststoff. Hier kommt also wieder der deutliche Bezug zur Sonne und zur Farbe Gelb und deren Wirkung auf die Psyche und das Nervensystem zum Ausdruck. 

Eine weitere Pflanze mit einem unübersehbaren und wunderschönen Gelb ist die Goldrute. Obwohl auch hier schon alleine der Anblick fröhlich und heiter macht hat sie phytotherapeutisch keinen direkten Bezug zum Nervensystem. Als Heilmittel zur Entgiftung durch die Anregung der Nierenfunktion und damit der Erhöhung der Urinausscheidung wird sie jedoch schon lange genutzt und ist als traditionelles Arzneimittel anerkannt. Hier wird die Verbindung zum entgiftenden und ausleitenden Aspekt der Farbe Gelb deutlich.

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Die Farbe Grün

Grün ist die Farbe der Mitte, der Harmonie, der Ausgeglichenheit, des Vertrauens, der Sicherheit und der Hoffnung. Es ist die Farbe der Regeneration und der Erholung, des Gleichgewichts zwischen Yin und Yang. In der TCM wird Grün dem Element Holz und der Jahreszeit Frühling zugeordnet, und damit der Zeit des Erwachens, des Wachsens und der Neuentwicklung. In der Chakrenlehre ist Grün die Grundfarbe des Herzens. Grün ist die alles umfassende, beschützende und heilende Farbe der lebendigen Natur.
Der grüne Farbstoff Chlorophyll ist in fast jeder Pflanze, aber auch in Algen und einigen Bakterienarten vorhanden. Er ist die Grundvoraussetzung für den Prozess der Photo-synthese, durch die mit Hilfe von Licht aus energiearmen Stoffen (Mineralstoffe und Spurenelemente), CO² und Wasser energiereiche Kohlenhydrate und Sauerstoff erzeugt werden können. Diese energiereichen Kohlenhydrate und natürlich auch der Sauerstoff sind die Basis aller weiteren Lebensvorgänge für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Grün wirkt allgemein ausgleichend, regenerierend und harmonisierend, und kann hel-fen, die Verbindung von Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Je nachdem was gerade gebraucht wird kann Grün beruhigend und entspannend, aber auch anregend, erfrischend und vitalisierend wirken. Es bringt Energie zum Fließen.

Die Farbe Grün kann somit sehr wohltuend und heilend sein bei psychischen und emotionalen Belastungen aller Art.
Auf körperlicher Ebene hat Grün schmerzstillende, antiseptische und entzündungshemmende Eigenschaften. Prof. L. Eberhard empfiehlt in seinem Buch von 1954 „ausgezogenes“ Blattgrün, also Chlorophyll, als Mittel, um „bis ins Alter hinein seine Jugend-kraft zu erhalten“. Die tägliche schluckweise Einnahme von ausgepresstem Blattgrün soll außerdem mildernd und heilend wirken bei Arteriosklerose, Gicht, Influenza und Rheuma.

Als Vertreter der Farbe Grün aus dem Pflanzenreich habe ich exemplarisch die Brennnessel und den Löwenzahn gewählt. Beide Pflanzen kommen fast überall vor, sie sind „Universalpflanzen“, die unter anderem einen hohen Gehalt an Chlorophyll aufweisen. Sie wachsen üppig und sind für jeden überall verfügbar so er denn möchte. Und beide sind Universalheilmittel. Sowohl die Brennnessel als auch der Löwenzahn wirken allge-mein deutlich kräftigend auf den Organismus und verbessern das Allgemeinbefinden. Sie regen den Stoffwechsel und die Durchblutung an und wirken entgiftend und stär-kend auf die Verdauungs- und Ausscheidungsorgane.

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Die Farbe Blau

Blau ist die Farbe des Himmels und des Wassers. Es ist die Farbe der Ruhe, der Weite, der Klarheit und der kühlen Distanz. In der TCM gehört Blau zum Element Wasser und zur Ruhezeit Winter. Im der Chakrenlehre wird Blau dem Halschakra zugeordnet, dem Energiezentrum der Wahrheitsfindung, der Kommunikation und der Interaktion mit unserer Umwelt.

Blau wirkt entzündungshemmend, antiseptisch, krampflösend, antiallergisch, abschwel-lend, fiebersenkend und schmerzlindernd und sowohl körperlich als auch emotional deutlich abkühlend und beruhigend. Blau ist die Farbe der Wahl bei akut-entzündlichen Prozessen sowie bei starker psychischer Überreizung oder Aggressionen. Es verengt die Blutgefäße und kann den Puls und die Atemfrequenz deutlich beruhigen.
Sehr hilfreich sein können die heilenden Impulse der Farbe Blau auch bei Juckreiz, bei Insektenstichen, bei nässenden Ekzemen und Akne/Pickeln und Herpes.
Im Rahmen der Farbtherapie sollte auf Blau verzichtet werden bei starker Erschöpfung, Depressionen und beim Vorliegen chronischer Erkrankungen deren Heilung stagniert.
Interessant ist, dass Babys mit Neugeborenen-Gelbsucht durch die Bestrahlung mit blauem Licht behandelt werden können. Ein Beispiel für das Prinzip der Heilung durch Ergänzung des Fehlenden? Je nach Farbenlehre wird Blau als die Komplemen-tärfarbe von Gelb gesehen…

Obwohl die Farbe seiner Blüten meist schon eher leicht ins violette geht ist für mich der Salbei mit seinen silbrig schimmernden Blättern und seiner kühlen, überlegenen, erhabenen und eher distanzierten und doch sehr präsenten Ausstrahlung eine der Pflanzen, die ich ganz eindeutig mit der Farbe Blau verbinde. Als Heilpflanze wird der Salbei traditionell zur Linderung von Entzündungen im Mund-, Rachen- und Halsbereich verwendet.
Im weiteren Sinne könnte man evtl. auch die schweißhemmenden und die milchflussreduzierenden Eigenschaften des Salbei als Einflussnahme auf die Kommunikation und den Kontakt zur Außenwelt sehen, denn sowohl Schweiß als auch Muttermilch sind ja durchaus sehr starke und deutliche Mittel der Kommunikation und des Austausches zwischen Lebewesen.
Eine zweite Pflanze in deren Blüten das reine Blau ganz deutlich sichtbar wird ist der Lein. Leinsamen enthalten viele Schleimstoffe, die die Haut und vor allem auch die Schleimhäute umhüllen und vor äußeren Einflüssen effektiv schützen. Bei Halsentzündungen kann mit in kaltem Wasser gequollenen Leinsamenschleim gegurgelt oder ein Wickel mit warmem Schleim im Halsbereich aufgelegt werden.

Die Farbe Indigo

Indigo ist ein wunderschönes, tiefes, dunkles Blau. Es liegt zwischen Violett und dem Blau von Himmel und Wasser, und es ist die Farbe des Regenbogens, die wohl am wenigsten für sich wahrgenommen wird.
In „modernen“ Spektren wird die Wellenlägen von Blau und Indigo mit 450-495 nm meist zusammengefasst angegeben. Und trotzdem ist Indigo, wenn wir es bewusst wahrnehmen, etwas ganz Anderes, etwas ganz Eigenes, und auch etwas Besonderes.

In der Chakrenlehre wird dem Indigo das Stirnchakra zugeordnet. Das Stirnchakra steht für den Sitz von Geist und Verstand, für Weisheit und Erkenntnis und für Gedankenkraft, aber auch für die Intuition, die außersinnliche Wahrnehmung und die Visualisierung (Sitz des „dritten Auges“).

Auf körperlicher Ebene beeinflusst es das zentrale Nervensystem und wirkt über die Hypophyse auch auf das Drüsen- und Hormonsystem.
Wie Blau wirkt Indigo schmerzlindernd, beruhigend und krampflösend und kann eine erhöhte Puls- und Atemfrequenz normalisieren. Indigo-Farblichtbestrahlung als erste Hilfe kann bei Koliken bei Pferden deutlich entkrampfend und entspannend wirken, was in so einem Fall oftmals lebensrettend sein kann.
Indigo ist die wohl am meisten inspirierend wirkende Farbe. Es kann demnach sehr hilf-reich sein bei verschiedenen psychischen Beschwerden, in denen man festzustecken scheint und für deren Lösung neue Erkenntnisse und neue Wege und Denkweisen erforderlich sind bzw. alte Glaubenssätze aufgelöst werden müssen. Indigo kann helfen, Festgefahrenes zu lösen und die Angst vor Kontrollverlust zu überwinden.
Ein wunderschönes und faszinierendes Beispiel für Indigo in der Heilpflanzenwelt ist der Ysop mit seinen leuchtend-tief-dunkelblauen Blüten. Ich stelle den Ysop im Anschluss an den Abschnitt „Farben der Pflanzen“ im Rahmen einer Monographie etwas detaillierter vor.
Und auch die Heidelbeere hat nicht nur durch ihre Farbe eine Bezug zum Indigo und dem Stirnbereich: ihre dunkelblauen Pflanzenfarbstoffe, die Anthocyane, haben eine Schutzwirkung für die Augen und können die Fähigkeit im Dunkeln zu sehen verbessern.

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Die Farbe Violett

Violett ist die Farbe der Emotionen, des Geistes, der Seele und der Spiritualität; die Farbe der Religiosität, der Alchemie und der kosmischen Energie. Es ist die kurzwelligste, dunkelste Farbe in Yin-Bereich mit einer hohen Energie.
Violett ist dem Kronenchakra zugeordnet. Mit Violett, der Farbe mit der Zuordnung zum Spirituellen, zum „Höheren“, zum Himmel, schließen sich der Farbenkreis und auch das ewige Rad der Chakren zum Rot, der langwelligsten Farbe des sichtbaren Bereiches mit der Zuordnung zur körperlichen Kraft, zu unserem Ursprung, zur Erde. Im Kreis bzw. Rad sind somit Himmel und Erde wieder miteinander verbunden.

Violett hat eine anregende, inspirierende Wirkung auf Geist und Seele. Es wirkt harmo-nisierend, regenerierend, angstlösend, schmerzlindernd, reinigend und beruhigt Emotionen. Violett kann sehr gut eingesetzt werden bei Ängsten und großen seelischen Heraus- oder Überforderungen und kann bei der Sterbebegleitung trösten und leiten.

Auf körperlicher Ebene wirkt Violett schmerzlindernd und antimikrobiell. Außerdem soll es auf Schwellungen und Ödeme zusammenziehend wirken und den Lymphfluss anregen. Die antimikrobielle Wirkung von UV-Licht wird unter anderem im Rahmen der Desinfizierung von Trinkwasser genutzt. Bei Tieren soll die Farblichtbestrahlung mit Violett bei Parasitenbefall unterstützend hilfreich sein.

Schon allein der Anblick eines blühenden Lavendelfeldes auf einem Bild verzaubert. Und wenn man das Glück hat vor Ort zu sein und dazu den überwältigenden Duft wahrnimmt, versetzt einen das spontan in andere Sphären. Der Echte Lavendel kann all das, was Violett kann und was Violett ausmacht. Er wirkt stark harmonisierend auf das zentrale Nervensystem, und wirkt vor allem deutlich spürbar beruhigend und lösend auf Geist und Seele, was wiederum direkte Auswirkungen auf die Funktionen des Körpers hat. Lavendel kann trösten, schützen und heilen, vor allem auch wenn es um Welten geht die nicht in unserem Bewusstsein liegen. Nicht umsonst ist das Lavendelkissen der Klassiker, um entspannt, sicher und geborgen einschlafen zu können und einen erhol-samen, ruhigen Schlaf zu finden.
Und, natürlich, was hier nicht fehlen darf: Violett – Viola – das Veilchen. Obwohl das Veilchen traditionell vor allem bei Atemwegserkrankungen eingesetzt wird ist auch die Verwendung von Veilchenblüten zur Nervenberuhigung und als Einschlafhilfe bekannt.
Die Zartheit der Pflanze und der Blüte und ihr betörender lieblicher Duft lassen eine Assoziation mit höher schwingenden Energiebereichen durchaus zu.

Hier geht´s weiter zum Teil 2 , Projektarbeit Phytotherapieausbildung bei der Freiburger Heilpflanzenschule: Thema Düfte, und hier zum Versuch einer Zuordnung von Farben und Düften (Teil 3).

Quellen: Hiller, K./Melzig, M.F. (2007): Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen; Pahlow, M. (2006): Das große Buch der Heilpflanzen; www.koop.phyto.org: Arzneipflanzenlexikon; Prof. L. Eberhard (1954): Heilkräfte der Farben; Kirschbaum, R. (2019): Skript Farblicht-Seminar; Dr. Wilden, I. (2020): Farbtherapie – Heilen mit Farben; www.wikipedia.de; www.christelheidemannakademie.info; www.lichtkreis.at

Bitte beachten:
Ich bin weder Arzt noch Heilpraktiker noch ausgebildete Kosmetikerin. Die Hinweise auf Heilwirkung und Gebrauch von Heilpflanzen auf meiner Website haben ausschließlich informativen Charakter und ersetzen bei Erkrankungen nicht den Gang zum Arzt!

Die Beiträge und Rezepte sollen Anregungen sein, die Schätze der Natur für unser Wohlbefinden und die Erhaltung unserer Gesundheit zu nutzen. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und auf eigene Gefahr.

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