Die Weißtanne

Die Weißtanne

by in Pflanzenportraits 28. Januar 2021

„Die Tanne ist gleichsam ein Symbol für das ewige Band zwischen Mensch und Natur.“ (Maurice Mességué).

Wer hier im Schwarzwald in der Natur unterwegs ist kommt nicht an ihnen vorbei.

Sie fühlen sich wohl hier.
In höheren, rauen Lagen, auf felsigem Gestein, in den Wolken, ragen die majestätischen Baumriesen mit ihren mächtigen Stämmen mit silbrigweißer Rinde und den tief dunkelgrünen Nadeln in den Himmel und ziehen jeden, der vor ihnen steht, unwillkürlich in ihren Bann.
Alte Tannenwälder sind dunkel und mystisch. Sie strahlen eine große Kraft aus die ehrfürchtig und demütig staunen lässt, und geben gleichzeitig ein starkes Gefühl der Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit.
Für die Kelten war die Tanne ein Symbol des Lichts und der Erneuerung des Lebens, der Stärke und der Weisheit, und Hildegard von Bingen schrieb ihr Wärme, Kraft und eine starke Schutzwirkung gegen Geister und Dämonen zu.

In der Volksheilkunde wird die Weißtanne seit jeher als Heilpflanze genutzt und geschätzt.
Die ätherischen Öle und Harze der Tanne gelten als durchblutungsfördernd, erwärmend, und schmerzlindernd werden daher traditionell bei rheumatischen Erkrankungen und Muskel- und Nervenschmerzen angewendet.
Zudem werden die schleimlösenden, antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften traditionell zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten genutzt.

Das Holz der Tanne ist wunderschön hell und fast schon weißlich, und das Spätholz, die dunklen, dichten Anteile der Jahrringe, ergibt dazu einen tollen Kontrast. Es ist dauerhafter als Fichtenholz und wurde daher früher sehr gerne z.B. für Dachstühle als Bauholz verwendet. Heute ist Weißtannenholz ein exklusives Nischenprodukt.
Das liegt zum einen am Holz an sich: die Tanne wächst eigenwillig. Vor allem das Holz von dicken, alten Weißtannen weist oft Verdrehungen, unruhige Faserverläufe und dicke (Schwarz-) Äste auf – das kann sehr schön sein, ist heute aber nicht gewünscht. Außerdem lagert sie mehr Feuchtigkeit in ihren Stamm ein, was die heute üblichen technischen Trocknung erschwert.
Und zum anderen gibt es ganz einfach nicht allzuviel davon. Die Tanne kommt in Deutschland nur im Alpenvorland und den Mischwäldern der Mittelgebirge vor. Sie braucht für sie passende Böden, genügend Feuchtigkeit, das richtige Klima, und eine „alte“ Waldgemeinschaft, wo die kleinen Tannen unter dem Schirm der Altbäume in Ruhe geschützt aufwachsen und auf auf ihre Zeit warten.
Ohne die für sie passenden Bedingungen und ohne einen schützenden Altbestand kann sich die Tanne nicht dauerhaft etablieren. Wenn es aber passt ist sie die Königin der Wälder, die über allem anderen steht.

Hier gibt es Wissenswertes zum Hydrolat der Weißtanne.

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