Der Lorbeer

Der Lorbeer

by in Pflanzenportraits 28. Januar 2021

Der Lorbeer, Laurus nobilis, gehört zur Familie der Lorbeerbaumgewächse (Lauraceae). Wir alle kennen den Lorbeerkranz, der als Symbol für Erfolg und Sieg bereits in der Antike eine große Bedeutung hatte.

Der Lorbeer ist für die Menschen seit jeher eine mächtige Ritualpflanze, doch auch als Heilpflanze hat er durchaus seine Stärken.

Mythologie: In Griechenland galt der Lorbeer in früheren Zeiten als heilig, er war dem Gott Apollo geweiht. Dieser hatte sich unsterblich in die Nymphe Daphne verliebt, die diese Liebe nicht erwiderte und vor ihm floh. Apollo verfolgte Daphne so lange, bis diese ihre Mutter Gaia um Hilfe anrief. Um Daphne zu schützen verwandelte Gaia sie in einen Baum, einen Lorbeerbaum (der altgriechische Name der Lorbeer ist „daphne“). Apollo verehrte von nun an den Lorbeer, und er nahm sich einen Lorbeerzweig, den er als Andenken an Daphne immer mit sich trug.

Im alten Griechenland war der Lorbeerkranz so unter anderem ein Zeichen der Reinigung und der Sühne, aber auch für Unsterblichkeit, Beständigkeit und Weihe und Weisheit.
Einen ganz besonderen und engen Bezug hatte der Lorbeer zum Orakel von Delphi, wo bereits seit jeher ein uralter Lorbeerhain gestanden sein soll. Die Priesterinnen räucherten mit Lorbeer und kauten die Blätter, um in Trance zu verfallen und die Orakelsprüche zu empfangen.
Und auch bei den Römern spielte der Lorbeerkranz ein ganz besondere Rolle: hier war er dem Gott Jupiter zugeordnet, und war das Symbol für Sieg, Rum und Erfolg.
Unser heutiger Abschluß „Bachelor“ ist abgeleitet von „Bacca lauri“ = lat. Lorbeere.

Botanik: Der Lorbeer ist ein immergrüner Baum oder Strauch, der eine Höhe von bis zu 10m und ein Alter von über 100 Jahren erreichen kann. Die Blätter sind ledrig und glänzend grün und verströmen bei leichtem Reiben ihren aromatischen Duft. Die Blüten unscheinbar und weißlich bis grün-gelblich, die reifen Früchte schwarz, glänzend und eiförmig.

Ursprünglich aus Kleinasien stammend ist der Lorbeerbaum heute im ganzen Mittelmeerraum, aber auch in milden Gegenden in Russland und Mittel- und Südamerika zu finden.

Verwendete Pflanzenteile und Hauptinhaltsstoffe: Lorbeerblätter (Lauri folia), Früchte (Lauri fructus), Ätherisches Öl (Lauri aetheroleum) und fettes Öl (Lauri Oleum).

Die Blätter enthalten 1-3% ätherisches Öl und Bitterstoffe.
Durch Destillation der Blätter wird ätherisches Lorbeeröl gewonnen. Dieses Öl enthält unter anderem sehr viel 1,8 Cineol (Eucalyptol).

Die Früchte enthalten ca. 30% fettes Öl, Stärke und Zucker und ätherisches Öl.
Durch Auskochen oder Pressen der überreifen Früchte wird fettes Lorbeeröl erzeugt.

Dieses fette Öl besteht aus Öl-, Laurin-, Linol- und Palmitinsäure und ca. 1-3% ätherischem Öl. Der Schmelzpunkt des fetten Öles liegt bei ca. 30°C. Durch das  enthaltene Chlorophyll ist es tief dunkelgrün gefärbt, und durch den natürlichen Anteil an ätherischem Öl duftet es intensiv nach Lorbeer.

Anbau und Ernte: Er ist nur bedingt winterhart, kann aber in milden Gegenden Deutschlands an ein geschütztes Plätzchen gepflanzt durchaus den Winter überstehen. Für den Hausgebrauch kann er sehr gut im Kübel kultiviert werden, wobei er im Winter frostfrei aber kühl und hell stehen sollte.

Geerntet werden die jüngeren voll entwickelten Blätter im Frühjahr oder im Herbst. Einzelne Blätter können den ganzen Sommer über nach Bedarf abgenommen werden. Sollen sie getrocknet werden sollte das schnell und schonend (<40°) erfolgen, damit das ätherische Öl möglichst erhalten bleibt. Getrocknete Lorbeerblätter guter Qualität habe eine schöne grüne Farbe!

Die Früchte zur Gewinnung des fetten Öles oder ggf. zur Trocknung werden bei Vollreife geerntet.

Heilwirkungen und Anwendung:  Der Echte Lorbeer hat keine Monographie, er wird auch von der Kommision E nicht als traditionelles Arzneimittel erwähnt. Dennoch wurde er bereits in der Antike auch als Heilmittel verwendet.

Bekannt ist die traditionelle Verwendung sowohl der Blätter als auch der getrockneten Früchte bei Verdauungsstörungen. Die Blätter gelten als appetitanregend, entblähend, entzündungshemmend und durchblutungssteigernd. Die Früchte werden heutzutage nicht mehr verwendet.

Das fette Öl wirkt durchblutungssteigernd, schmerzlindernd und leicht antiseptisch. Es wird traditionell ausschließlich äußerlich als Salbe verwendet zur Erweichung von Geschwüren, bei Furunkeln und Abszessen, bei Muskelschmerzen, Zerrungen und Verstauchungen und rheumatischen Erkrankungen.
In der Veterinärmedizin ist es bekannt als Eutersalbe und als Huföl für Pferde, da durch die durchblutungssteigernde Wirkung das Hornwachstum angeregt werden kann. Außerdem wird es bei Tieren bei Lahmheiten und als Insektenschutz eingesetzt.

Dem ätherischen Öl werden antibakterielle, schmerzlindernde, schleimlösende, krampflösende, lymphentstauende und nervenstärkende Eigenschaften zugesprochen.
Es kann (sehr stark verdünnt und fachgerecht!!!) äußerlich angewendet werden z.B. bei Erkältungskrankheiten, Arthritis, Rheumatismus, Muskelschmerzen und z.B. auch bei Akne.
Der Duft kann außerdem aufbauend und stärkend sein bei allgemeinder Erschöpfung.

Nebenwirkungen: Lorbeeröl, Blätter und Früchte und damit auch die daraus hergestellten fetten und ätherischen Öle können Allergien auslösen.
Lorbeeröl und ätherisches Lorbeeröl können hautreizend wirken.

Gegenanzeigen: Ätherisches und fettes Lorbeer-Öl darf nicht verwendet werden während Schwangerschaft und Stillzeit und nicht bei Babys und Kleinkindern. Beides nicht innerlich einnehmen!

Verwendung von Lorbeerblätter in der Küche:

  • Einige frische oder getrocknete Blätter in verschiedensten gekochten deftigen Gerichten helfen, diese schmackhaft, bekömmlich und besser verdaulich zu machen. Außerdem regt das Aroma des Lorbeer den Appetit an. Passt sehr gut auch in Fleisch- und Gemüsebrühen, und muss z.B. unbedingt in die Linsen für schwäbische Linsen mit Spätzle!
    Die ganzen Blätter am Anfang dazugeben und mitkochen. Getrocknete Blätter sind weniger bitter als die frischen.
  • Sehr schmackhaft und praktisch ist mit Lorbeerblättern aromatisiertes Olivenöl (Mazerat).
  • Brot und Backwaren wurden wohl schon im Altertum mit Lorbeer gewürzt, und die Beduinen sollen sogar ihren Kaffee mit Lorbeerblätter verfeinern.

Einige einfache Verwendungsmöglichkeiten des ätherischen Öls:

  • Einige Tropfen zusammen mit Wasser auf das Schälchen einer Duftlampe geben zur Raumluftreinigung
  • Bei verstopfter Nase hin und wieder das Fläschchen aufmachen und daran riechen
  • Einige Tropfen des ÄÖ auf den Wattebausch eines Inhalierstiftes geben für mehr Kraft und Mut
  • In einem Roll-on-Fläschchen 10 ml Jojobaöl mit ca. 10 Tropfen ÄÖ mischen (5%-Mischung). Kann punktuell z.B. aufs Handgelenk gegeben werden, um den stärkenden Duft um sich zu haben. Vorher aber die Verträglichkeit prüfen!

Quellen: : Pahlow, M. (2006): Das große Buch der Heilpflanzen; Fischer-Rizzi, Susanne (2014): Das große Buch der Pflanzenwässer; Hiller, K./Melzig, M.F.: Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen (2007);  Zimmermann, E. (2018): Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe; www.wikipedia.de; Psilakis, M. und N.: Heilkräuter in der Küche; www.aromapraxis.de

Bitte beachten:
Ich bin weder Arzt noch Heilpraktiker noch ausgebildete Kosmetikerin. Die Hinweise auf Heilwirkung und Gebrauch von Heilpflanzen haben ausschließlich informativen Charakter und ersetzen bei Erkrankungen nicht den Gang zum Arzt.

Die Rezepte sollen Anregungen sein die Schätze der Natur für unser Wohlbefinden und die Erhaltung unserer Gesundheit zu nutzen. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und auf eigene Gefahr.