Koriander

Koriander

by in Pflanzenportraits 17. Mai 2021

Koriander im Hotzenwald, eine persönliche Geschichte…

In das unglaublich satte Grün

und den unvergleichlichen Geruch und Geschmack des Koriandersverliebt habe ich mich vor vielen Jahren auf der ersten von mehreren Asien-Backpacker-Reisen in Thailand. Frisches Koriander-Blattgrün ist in Asien an jeder Ecke zu finden. Es ist in den Garküchen am Straßenrand allgegenwärtig und wird in richtig großen Mengen verwendet, und die Wurzeln und Früchte gehören zu den Standardzutaten für die berühmten Currypasten, der Grundlage für die herrlichsten cremigen Currys.

Zurück in Deutschland haben wir begonnen sehr viel asiatisch zu kochen. Die meisten Zutaten und Gewürze sind ja auch hier zu bekommen, nur frisches Koriandergrün und frische Wurzeln zu bekommen war selbst im Asia-Laden ein eher seltener Glücksfall.
Später dann, mit eigenem Garten im Südschwarzwald auf 740 m Höhe, habe ich beschlossen den Versuch zu starten und habe Koriander ausgesät – Gewürzkoriander aus dem Gewürzregal. Eigentlich habe ich nicht wirklich damit gerechnet, dass er überhaupt keimt. Und als er das trotzdem getan hat war die Freude riesig, und die kleinen Winzlinge wurden gehegt und gepflegt und gehätschelt.
So sind sie gewachsen, zum Teil im Hochbeet, zum Teil im Garten, vital und satt-grün und wunderbar duftend, und die jungen Blätter wurden verliebt angeguckt, aber vor lauter Begeisterung natürlich nicht geerntet. Sie sollten ja noch viel größer werden dürfen!
Bis ich dann bemerkt habe, dass die Pflanzen sich verändern. Sie wuchsen extrem in die Höhe, die Pflanze wurde licht und filigran, die neuen Blätter sahen plötzlich ganz anders aus, die unteren breiten Blätter, die ich von Asien her kannte, fingen an welk und gelb zu werden und begannen langsam zu verschwinden. Der Koriander fing an zu blühen, in kleinen Dolden mit winzigen weißen Blüten, und setzte etwas später grüne, glänzende kugelige Früchte an.

Die ganze Gestalt und die Ausstrahlung der Pflanze änderte sich völlig. Und jetzt endlich wollte ich dann doch ernten.
Also nahm ich die neuen, filigranen Fiederblättchen, und staunte nicht schlecht: was als Pflanze so groß und viel aussah war auf dem Schneidebrettchen nur sehr wenig (beim Fenchel z.B. ist das genau anders herum, finde ich), und der typische Geschmack und Geruch war zwar noch da, aber irgendwie anders, und lange nicht mehr so intensiv. Erntezeitpunkt für das Koriandergrün also definitiv verpasst.

Ok, das wusste ich jetzt, also neu ausgesät. Die ersten Pflanzen blieben einfach stehen.
Und dann hat er mich wieder erwischt mit etwas, womit ich nie gerechnet hatte: die bis zu einem Meter großen, inzwischen verholzten, hageren, lichten Pflanzen schienen immer „trockener“ und farbloser zu werden, und gleichzeitig begannen sie Früchte sich bräunlich zu verfärben. Die Früchte reiften aus, im August, in unserem doch eher rauen Klima!
Wieder habe ich mich nicht richtig herangetraut an die Ernte und habe nur eine Pflanze genommen und sie in einem Stoffbeutel luftig kopfüber aufgehängt, um die Früchte aufzufangen. Und wieder durfte der Rest der Pflanzen einfach stehen bleiben.

Was dann im nächsten Frühjahr passiert ist war einfach wunderschön: überall im Garten schauten plötzlich kleine Korianderkeimlinge aus der Erde, und zwar früher als so manches hier übliche Kräutlein.
Das war vor neun Jahren, und seither haben wir hier von Frühling bis Herbst Koriandergrün so viel wir wollen, ohne ein einziges Mal selber zu säen. Und als Zugabe jede Menge Koriandersamen und frische Wurzel für Pasten.
Der Koriander fühlt sich ganz offensichtlich wohl hier, vielleicht auch ein bisschen deshalb, weil ich ihn einfach gern habe…

Gedanken zum Wesen des Korianders:

Junge Pflanze: kraftstrotzend, vital, voller Energie, kühl, erfrischend, saftige weiße Herzwurzel, sehr intensiv und präsent (Farbe, Geruch, Geschmack), sehr polarisierend (man liebt ihn oder mag ihn überhaupt gar nicht)
„Alles oder Nichts“, leidenschaftlich, mit ganzem Herzen

Saftige weiße Herzwurzel, aus der die intensiv grünen Blattrosetten austreiben  Zentrierung zur Erde

Reife Pflanze, reife Frucht: voller Energie, aber sehr deutlich verändert: filigran, zart, leicht, luftig, trotzdem stabil und zäh (verholzt), warme Farbe (ockergelb), intensiver warmer, aromatischer Geschmack (Früchte)
Ausgleich, Versöhnung

Die ganze Pflanze ist nach oben gerichtet, im Vergleich zur Pflanzenhöhe nicht sehr stark verwurzelt
Zentrierung und Ausrichtung zum Himmel

Metamorphose, völlige Veränderung von Gestalt, Farbe, Geruch, Geschmack, Ausstrahlung
Wandlungsfähigkeit, Entwicklung, Verbindung von Gegensätzen

 Verwendete Pflanzenteile und Hauptinhaltsstoffe:

Früchte: bis 1% ätherisches Öl (Hauptbestandteil Linalool), fettes Öl, Eiweiß, Cumarine, Kaffeesäurederivate, Coriandrinondiol

Ätherisches Öl: Linalool, Borneol, b-Cymol, Campher, Geraniol, Limonen, alpha-Pinen

Korianderwurzel: als Gewürz in der asiatischen/indischen Küche

Korianderblattgrün: als Gewürz in der asiatischen/indischen Küche

Heilwirkungen und Anwendung:

Früchte: leicht krampflösend, blähungstreibend, appetitanregend, Förderung der Magensaftsekretion.
Kommision E: Bei dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.
Dosierung bis zu 3g zerquetschte/pulverisierte Korianderfrüchte pro Tag

Bei der Universität Freiburg wurde im Rahmen einer Dissertation das ätherische Korianderöl untersucht, mit folgendem Ergebnis: antibakterielle Wirkung auf gram-positive und gram-negative humanpathogene Keime, plaquereduzierende Wirkung, gute therapeutische Wirksamkeit bei verschiedenen dermatologischen Erkrankungen bei guter Hautverträglichkeit und keinerlei toxischer Wirkung (hier der link zur Dissertation Quelle Uni Freiburg )

Nebenwirkungen/Gegenanzeigen: keine bekannt

Teemischung für eine gute Verdauung:

20g Kümmel, 10g Anis, 10g Fenchel, 10g Korianderfrüchte mischen. 2 TL im Mörser zerstoßen, mit 250 ml Wasser aufgießen, 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen.

Wichtig ist es die Früchte erst direkt vor der Teezubereitung zu mörsern, damit die ätherischen Öle gut erhalten bleiben.


Bitte beachten:
Ich bin weder Arzt noch Heilpraktiker noch ausgebildete Kosmetikerin. Die Hinweise auf Heilwirkung und Gebrauch von Heilpflanzen auf meiner Website haben ausschließlich informativen Charakter und ersetzen bei Erkrankungen nicht den Gang zum Arzt!
Die Rezepte sollen Anregungen sein die Schätze der Natur für unser Wohlbefinden und die Erhaltung unserer Gesundheit zu nutzen. Die Anwendung erfolgt auf eigene
Verantwortung und auf eigene Gefahr.